Tageblatt : Die Kunst, sich selbst von außen zu betrachten – Marc PIERRARD

November 4th, 2009
Tageblatt 4.11.2009 Seite 25

Tageblatt 4.11.2009 Seite 25

Tageblatt, Mittwoch, 4. November 2009, Nr. 257, S. 25

Marc Pierrard stellt seine Werke im Konschthaus Beim Engel aus.

Marc Pierrard zeigt den Kunstinteressierten in seiner neuen Ausstellung „La politesse du désespoir“ allerlei soziale Probleme und Phänomene zwischen Höflichkeit und Verzweiflung.

von Tessy Steffen

Die Ausstellung feierte am vergangenen Mittwoch, 21. Oktober, Vernissage im „Konschthaus Beim Engel“, wo der deutsche Autor Dirk Bernemann, passend zu Marc Pierrards Werken, Texte vortrug.

„Alles ist schlecht, muss es aber nicht, wenn wir endlich anfangen, aufzuhören, egoistisch zu denken“, so die zentrale Aussage der Ausstellung.

Die Kunstwerke beziehen Stellung zu Themen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen (Religion, Pädagogik, Medien …) und setzen den Akzent auf die Rolle des Individuums, auf das Dasein des Menschen und seiner vermeintlichen Machtlosigkeit vor dem Weltgeschehen.

Jeder sollte anfangen, nachzudenken

Die Höflichkeit besteht darin, zu versuchen sein „Möglichstes“ zu tun, damit der kapitalstarke, herrschende Teil der Menschheit selbst etwas verändert.

Verzweifelt ist Marc Pierrard, weil er sich bewusst ist, dass es in der Kunst schon alles gegeben hat, in allen Größen, Farben und Materialien. Die Höflichkeit bezieht sich hierbei auf ihn selbst als Künstler, auf den Versuch alles aus der Kunstwelt als Gesamtes zu betrachten, woraus er immer wieder neue Elemente rausnehmen und beliebig verändern und kombinieren kann.

Mit dem Begriff Kunst meint Marc Pierrard nicht nur Bilder und Plastiken, sondern ebenfalls Musik, Fotografie, Filme, Theater, Literatur. Manchmal hilft es den Kunstinteressierten, wenn sie die Vorgeschichte der von ihm zitierten Künstler oder Kunstwerke kennen. Dies ist aber keine Bedingung, da es wichtig ist, dass jeder für sich selbst interpretiert und nachdenkt.

Oft verarbeitet der Künstler klassische Werke, die jeder kennt. Bei Elementen aus der zeitgenössischen Kunst, über die wenige Informationen verfügbar sind, gibt Marc Pierrard, aus „Höflichkeit“ gegenüber dem Künstler und dem Betrachter, die Referenzen an, obwohl sie für die eigentliche Interpretation nicht unbedingt von Bedeutung sind.

„Arbeiten, bei denen das Dargestellte, der Titel oder die Beschreibung mich schon dazu bringen, irgendwelche Namen nachzusuchen, sind doch die interessantesten. Dabei stoße ich immer wieder auf neue Sachen, die mir nie schaden, aber nur, weil ich auch nicht alles glaube“, so der Künstler.

Die Ausstellung endet damit, dass man in eine Hundehütte klettert, auf den eigenen Hintern blickt und sich selbst als Außenstehenden betrachten kann.

  • Die Ausstellung dauert noch bis 8. November. Sie ist täglich von 10 bis 12 und von 13 bis 19 Uhr geöffnet
  • „Konschthaus Beim Engel“ 1, rue de la Loge L-1945 Luxemburg Tel.: 22 28 40
  • www.marcpierrard.com
  • www.dirkbernemann.de