TELECRAN : Surreale Traumwelten – Anne MICHAUX

March 17th, 2007
Anne Michaux (Foto : Luc Deflorenne)

Anne Michaux (Foto : Luc Deflorenne)

TELECRAN, No 12, 17 au 23 mars 2007, Kultur, pages 160 et 161

Die Künstlerin baut Miniaturwelten und fotografiert sie dann.

von Kathrin Werno

Surreale Landschaften, die in Unschärfe zerfliessen. Diffuses zartes Licht, dann wider kräftige Farbtöne, die einen dramatischen Eindruck schaffen : Anne Michaux’ Bilder ziehen den Blick an, geben Rätsel auf, lassen den Betrachter in unbekannte Traumwelten eintauchen, die zu den eigenen werden können.

“Ich konstruiere mir meine Wirklichkeiten selbst”, sagt die 34-jährige Fotokünstlerin und meint das wortwörtlich : Jedes einzelene Motiv baut die Luxemburgerin, die seit 2000 in Berlin lebt und arbeitet, aus Zubehör vom Eisenbahn-Modellbau, sowie Materialien und Objekten, die ihr in die Hände fallen, als Stilleben auf, um es dann zu fotografieren. “Big Dawn” nennt Anne Michaux ihre Ausstellung mit 13 dieser beindruckenden Fotografien in Leslie’s Artgallery in Bridel.

Experimente mit Licht

Anne Michaux stammt aus Ettelbrück, studierte nach dem Abitur zwei Jahre Journalistik, um dann in den Niederlanden bei verschiedenen Multimedia-Künstlern zu arbeiten. “Ich hatte kein Geld und keine Geduld für ein Kunststudium, ich wollte arbeiten und an der Praxis lernen”, erinnert sie sich.

2000 lernte sie ihren Mann Dirk Knechting, einen Objekt-Künstler, kennen und zog zu ihm nach Berlin. “Ich habe mich für Objekte, aber auch für Fotografie interessiert. Irgendwann habe ich das dann zu meiner jetztigen Arbeit zusammengebracht”, erzählt die 2006 mit dem Förderpreis der IKB-Bank Luxemburg ausgezeichnete junge Künstlerin.

In ihrem Atelier finden sich Dinge, die jeder andere wegwerfen würde, Anne Michaux jedoch arrangiert Kupferrohre, Plastikspiralen, Kinderspielzeug oder Kunstgras auf einem grossen Arbeittisch zu ihren imaginären Welten. “Das Motiv entwickelt sich während des Bauens, manchmal habe ich eine vage Idee, manchmal finde ich ein Objekt, mit dem ich sofort etwas assoziiere. Das ist ganz unterschiedlich”, erzählt die Fotokünstlerin. Monate arbeitet sie manchmal an einem Foto, experimentiert mit Lichtquellen und Filtern.

“Oft dauert es lange, bis ich ein Ergebnis habe, mit dem ich zufrieden bin. Aber wenn mir ein Bild gelingt, ist das wie ein Kick”, erzählt sie. Sie fotografiert zwar mit der Digitalkamera, aber die Bilder werden nicht am Computer nachbearbeitet. “Dadurch würde ich mich von dem, was ich eigentlich sagen wollte, entfernen”, hat sie festgestellt. Ist ihr ein Bild gelungen, zerstört sie das entsprechende Miniaturobjekt.

Bereits vor einem Jahr waren Fotografien von Anne Michaux, die auf Alu di Bond aufgezogen und mit Glanzfolie überzogen sind, in Leslie’s Artgallery zu sehen – die neuen Arbeiten sind wesentlich suggestiver, verwunschener, assoziativer als die figurativeren Vorgänger. “Es ist mir heute wichtiger, dass der Betrachter sich einbringen, sich seine Wirklichkeit in den Bildern suchen kann”, erklärt sie. Dass in diesen Traumwelten immer wieder Autos auftauchen, findet sie normal : “Autos sind omnipräsent in unserer Gesellschaft, sie symbolisieren so vieles : Status, Mobilität, Umweltschäden und dadurch auch die Angst vor dem Ende der Zivilisation”.

Rückzug aufs Ich

Fast immer sind es einzelne Personen, die in ihren Fotografien alleine in einer dramatischen, an Endzeitstimmung erinnernden Landschaft stehen. Dennoch wirken die Bilder schön, harmonisch, die Menschen zufrieden und in sich versunken. “Für mich liegt in dieser Endzeitstimmung auch Hoffnung auf einen neuen Aufbruch, der dem Menschen einen Rückzug aufs eigene Ich, zur Selbsbestimmung bringen kann”, sagt Anne Michaux.

Bis Samstag 31. März, Leslie’s Artgallery, 66-68, rue de Luxembourg, Bridel.

Öffnungszeiten : Mittwoch, Donnerstag, Freitag 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 15 bis 20 Uhr. www.artgallery.lu