Journal : Der Traum, aus dem die Stoffe sind – Jane ZWEIBEL und Stéphanie KOHN

March 20th, 2008
Jane Zweibel

Jane Zweibel

Journal, 20 mars 2008, Kultur & Feuilleton, page 25

Jane Zweibel und Stéphanie Kohn in Leslie’s Artgallery (RoK)

Bridel kennen Sie, ja? Fahr’n Sie durch, hin und wieder. Bleiben Sie doch mal stehen, im kleinen Zemtrum, und genehmigen sie sich eine Fahrpause. Am besten in Leslie’s Artgallery, jenen einladenden Exporäumen, in welchen die knapp 28-jährige Künstlerin Leslie Barnig vor etwa drei Jahren in Eigeninitiative ihre artistischen Zelte aufgeschlagen hat, um junge, moderne Kunst zu promovieren, in- und ausländische.

Heuer gibt’s von beidem, juxtaposiert werden Werke der New Yorkerin Jane Zweibel und der Luxemburgerin Stéphanie Kohn. Nicht ohne Grund, denn bei beiden geht’s recht stofflich zu. Erstere wurde 1959 in Brooklyn geboren und studierte an der Columbia University. Zweibel stellte bisher nur in den USA aus, Barnig hat sie – respektiv ihre “Stuffed Paintings” – nun auch über den grossen Teich gebracht.

Wie muss man sich “gestopfte Malerei” vorstellen? Nun, in etwa wie ein förmiges, oder auch mal unförmiges Kissen. Einen bemalten Stoffkörper. Das Intrigante daran ist, dass die Form des Kissens unabhängig von den dargestellten Motiven ist. So weiss man nie so genau, worauf man die Tiefenschärfe einstellen soll, auf die manchmal verräterische, manchmal mystische Form, oder auf die farbreichen Träume innerhalb dieses geschlossenen Stoffmikrokosmos. Rätselhaft. Das ist gut. Wir mögen Rätsel …

In ähnlicher Weise, wenn auch mit anderen Mitteln, taucht Stéphanie Kohn – Escher Jahrgang 78, in Karsruhe und Heidelberg formiert – in die fraktale und ungeordnet geordnete Welt der natürlichen Elemente ein. Sie beschreibt, ebenfalls in stofflichen Rahmen, das, was uns im Innersten zusammenhält. Zellen, Viren, Ganglionen, die kleinsten Bausteine unserer Existenz. Dabei betont sie die Einheit Mehrerer, erst die formale Vielfalt und Variation der Individuen ergibt ein Ganzes.

Wir haben schon vor einigen Jahren Kohns Werke gesehen, und stellen eine konsequente Weiterentwicklung des Themas fest. Aus den erst kieselsteinähnlichen, farbig umrandeten Tropfengebilden enstehen nun komplexere Kombinationen, ähnlich einem Körper der sich langsam aus einem Zellhaufen windet. Die anfänglichen Wandinstallationen treiben nun mehr in den Raum, das ursprüngliche Relief gewinnt an Dimension.

Witzige Fussnote : Kohn inspirierte sich wohl am geschäftstüchtigen Geist eines Keith Haring, so hat sie ihren eigenen, kleinen “Pop Shop”, in welchem auch Sie sich etwas Kunst leisten können, einzelne Zellen, lustige Buttons und weitere Stoffkreationen stehen zum Erwerb.

Stecken Sie sich also einen echten Kohn ans Revers. Ist doch mal was Anderes …

Bis zum 30. März in Leslie’s Artgallery, 66-68 rue de Luxembourg, Bridel. Geöffnet mittwochs bis sonntags 15.00 bis 18.00 Uhr.