Télécran : Leslie BARNIG – Die zwei Seiten der Kunst

March 21st, 2007

No 17, 21 au 27 avril 2007, Kultur, page 164

Eine 26-Jährige betreibt “Leslie’s Artgallery” in Bridel, in der sie auch selbst ausstellt.

Kathrin Werno

Foto : Luc Deflorenne

Foto : Luc Deflorenne

Die eine Seite der Kunst, das ist für Leslie Barnig die persönliche Kreativität, die eigene künstleriche Arbeit. Dann ist da aber noch die andere Seite, die Kunst um sie herum. “Schon während meines Kunststudiums in Strassburg war es mir sehr wichtig, mit meinen Kommilitonen über ihre Projekte zu sprechen, Ideen zu diskutieren, fremde Kreativität zu beobachten und kommunizieren”, erzählt sie.

Im Juli 2005 bekommt die damals 25-Jährige noch während des Studiums Räume in der Rue de Luxembourg in Bridel angeboten. “Ich habe mir alles angesehen und gesagt: Ich mach das ! Und zwar jetzt”, erinnert sie sich. Nach einem halben Jahr Einrichtungszeit eröffnete die junge Frau “Leslie’s Artgallery” im Dezember 2005 mit der ersten Ausstellung.Seitdem präsentiert sie jeden Monat eine neue Schau in den grossen und hellen Räumen – Fotografie, Malerei, Objekte, Collagen junger, vielversprechender Künstler. Die 26-Jährige ist ein Ein-Frau-Unternehmen, erledigt vom Marketing über den Entwurf der Einladungskarten alles selbst. “Ich mag es, mein eigener Chef zu sein. Leben von und mit Kunst funktioniert nur mit viel Idealismus und Freude an der Sache, auf das Geld darf man da erstmal nicht schauen”, weiss sie,”aber bislang habe ich es nie bereut.” Am meisten Spass macht Leslie Barnig die Suche nach “ihren” Künstlern: “Mich interessieren aufstrebende Kreative, die ihr Potential ausschöpfen wollen, professionell sind und bei denen man eine Entwicklung sieht.”

Voll Enthusiasmus für “ihre” Künstler

Wie bei Anne Michaux zum Beispiel. Die Luxemburger Fotografin, die in Berlin lebt, stellte im März bereits zum zweiten Mal in Leslie’s Artgallery aus. “Sehen Sie sich die Unterschiede in den Arbeiten an” sagt die Galeristin voll Enthusiasmus und zeigt auf Fotografien,”hier spürt man, wie sich jemand mit seiner Kunst auseinander setzt. Das möchte ich sehen !” Und so fährt die 26-Jährige zu Künstlern in Ateliers, schaut sich Arbeiten an, sucht nach Talenten, die zu ihrer Galerie passen. “Das ist gar nicht so einfach”, sagt sie, “es gibt seht viele Künstler, aber häufig passt es mir nicht. Mir ist ein eigener Stil sher wichtig.” Das Konzept von Leslie Barnig geht auf, Ihre Ausstellungen stossen auf ein reges Interesse. Zudem hat die junge Galeristin ihre Öffnungszeiten auf die Arbeitszeiten ihres Publikums abgestimmt. “Der Sonntag ist mein bester Tag”, erklärt sie. 15 Künstler aus vier Ländern gehören zu ihrem Künstlerstamm, den sie stets erweitern möchte. Wichtig ist ihr auch, dass diese Kreativen in unregelmässigen Abständen immer wieder ihre Arbeiten präsentieren: “Ich finde es schön, den Weg eines Künstlers begleiten und miterleben zu können.”. Das kann auch der Galeriebesucher leicht, denn neben der aktuellen Ausstellung gibt es eine Etage tiefer eine ständige Sammlung mit Werken der Stammkünstler.

Bekannt für ihre Stoffobjekte

Konkrete Auswirkungen des Kulturjahres in Luxemburg hat sie für ihre Galerie bislang nicht bemerkt. Dafür aber für die andere Seite der Kunst: ihre eigene. Denn Leslie Barnig, deren Stoffobjekte in ihrer Galerie zu sehen sind, gehörte zu den jungen Künstlern aus der Grossregion, die im Rahmen der Ausstellung “Roundabout – Refreshing Art” in der Rotonde 2 im Januar ein Objekt zeigen konnte. Allerdings ist die 26-Jährige zurückhaltend, wenn es um ihre Kunst geht. Denn das, was sie von ihren Künstlern erwartet – intensive Auseinandersetzung – kann sie jetzt als Galeristin nicht immer leisten. “Ich arbeite gerne kreativ, sehe das aber zurzeit eher als Hobby. Ich habe nicht die Zeit, mich mit Fragestellungen intensiv zu beschäftigen”, erklärt sie. Aber dafür hat sie ja ihre Künstler.

Leslie’s Artgallery, 66-68, rue de Luxembourg, Bridel.
Geöffnet Mittwoch bis Freitag 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag, 15 bis 20 Uhr.
Internet : www.artgallery.lu